Schlagzeug abmischen in fünf einfachen Schritten

Jun 16, 2019

Drums abmischen muss nicht kompliziert sein. Wenn du die richtige Reihenfolge wählst und dich auf das Wesentliche konzentrierst ist es sogar recht simpel.

In diesem Beitrag gebe ich dir eine Anleitung wie du dein Schlagzeug in fünf einfachen Schritten abmischen kannst, ohne die üblichen Fehler zu machen.

Endloses Herumdoktern  an einzelnen Drum Spuren führt zu nichts.

Kommt dir das bekannt vor? Jemand will seine Drums abmischen. Das erste was er macht ist alles Fader runterzuziehen.

Dann zieht er den Fader seiner Bass Drum hoch und fängt an. Er bearbeitet sie mit EQ, Kompression und Saturation. 

Irgendwann nach 20 Minuten ist er fertig. Jetzt hat der DEN Bass Drum Sound. Fett und mit viel Punch. Das hat er so in einem Youtube Tutorial gesehen.

Dann mischt er seine Snare Drum ab. Er bearbeitet sie mit EQ, Kompression, Distortion, Delay und Hall. Nach weiteren 20 Minuten ist er fertig und zufrieden. Die Snare klingt fett. Das hat er so im Youtube Tutorial gesehen.

So macht er das jetzt für alle Schlagzeug Spuren. Irgendwann nach zwei Stunden ist er fertig. Jetzt zieht er alle Fader der Drums hoch um das Gesamtergebnis anzuhören. 

Entnervt muss er feststellen dass nichts zusammen passt.

Ein Drumset ist EIN Instrument, das von EINEM Musiker gespielt wird

Deswegen möchte ich dir einen einfacheren (und vor allem schnelleren) Weg zeigen, um einen sehr guten Drumsound zu bekommen.

Das Wichtigste, was du beim Schlagzeug abmischen im Hinterkopf behalten solltest ist, dass es EIN Instrument ist. Und so sollte es auch abgemischt werden. 

Wenn du alles Schlagzeug Spuren einzeln abmischst hast du am Ende fünf gut klingende Einzelspuren. Aber eben kein gut gemischtes Drumset.

Klingt einleuchtend? Ich denke schon...;-)

Ändern wir also einfach die Herangehensweise und mischen unser Schlagzeug lieber gleich komplett ab. Hier die fünf Schritte:

1. Schritt: Alle Schlagzeug Spuren auf einen AUX

Da unser Schlagzeug ein Instrument ist, routen wir zunächst alle Spuren auf einen AUX ( Auxiliary Kanal oder Hilfskanal) . Das hat schon einmal den Vorteil, dass wir unser Drumset jetzt mit einem Fader lauter oder leiser machen können.

Außerdem können wir jetzt Effekte in diese Gruppenspur laden, die das Schlagzeug als ganzes beeinflussen.

 

2. Schritt: Richtige Balance

Für diesen Schritt kannst du dir ruhig Zeit lassen, denn es ist der Wichtigste. Versuche deine Schlagzeugspuren so auszubalancieren, dass du einen guten Grundmix deines Drumsets hast.

Ich mache das immer nacheinander. Erst ziehe ich die Bass Drum hoch, dann die Snare Drum, dann die Hi Hat, die Toms und so weiter. Eventuell möchtest du deine Toms auch noch etwas links und rechts im Stereofeld verteilen. (Wie du deine Toms knackig abmischen kannst erkläre ich in diesem Video).

Wie gesagt, lass dir bei diesem Schritt Zeit. Ein gut ausbalanciertes Drumset ist schon die halbe Miete ;-)

 

3. Schritt: Suche störende Frequenzen

Passt die Balance deines Drumsets, suchst du störende Frequenzen in den Einzelspuren und senkst diese entsprechend ab.

Oftmals ist es eine "klingelnde" Frequenz bei der Snare, die Probleme macht. Manchmal klingen auch die Becken in den Overheads zu kreischig.

 

4. Schritt: EQ Bearbeitung im Drumbus

Sind alle störenden Frequenzen herausgefiltert kannst du versuchen einen EQ in den Drumbus zu laden ( da, wollte alle deine Spuren reingehen) und kannst versuchen hier Frequenzen anzuheben.

Der Vorteil dabei ist, dass du so das komplette Schlagzeug mit EQ bearbeitest. Ich senke hier meistens um die 400Hz etwas ab, da dort die meisten Drums etwas dumpf klingen.

Dann versuche ich den Grundton der Bass Drum zu finden und diesen etwas anzuheben. Meistens hebe ich auch die Frequenzen ab 8000Hz mit einem High Shelf Filter an. Das lässt die Becken besser durchkommen und "öffnet" den Drumsound insgesamt.

 

5. Schritt: Drum Bus Compression

Jetzt kannst du noch einen Kompressor deiner Wahl in den Drum Bus laden und das ganze Drumset leicht komprimieren. (Meist tut es eine Ratio um die 1:5 bei einer Gain Reduction zwischen 1 und 3dB.)

Hier geht es nicht darum das Schlagzeug lauter oder ultrafett zu bekommen. Du willst nur deinen Drumsound etwas kompakter bekommen, Pegelspitzen abfangen und etwas mehr Punch draufpacken.

Das war's, viel Spass :-)

 

 

Moment mal, was ist mit den ganzen Einzelspuren ?!!!!!!!

Achso, die Einzelspuren. Die kannst du natürlich bearbeiten. Musst du aber nicht. Ich bearbeite einzelne Spuren amSchlagzeug nur, wenn ich wirklich eine Notwendigkeit dafür sehe. 

Wenn zum Beispiel Snare oder Bass Drum etwas mehr Punch benötigen oder die Toms zu schwach auf der Brust sind. Doch bei einem gut ausgearbeiteten Grundsound des Schlagzeugs ist das oft gar nicht nötig.

 

Und was ist mit Parallel Compression?!!

Die Drums parallel zu komprimieren ist eine Möglichkeit. Aber eben auch kein Muss. Bei Rockdrumsets ist es bestimmt eine gute Möglichkeit noch mal mehr Power in deine Drums zu bekommen.

Bei Popsongs oder in anderen Genres ist es aber oft gar nicht nötig.

 

Merke dir also: Das Wichtigste ist eine gute Balance zwischen den einzelnen Schlagzeugkomponenten. Wenn du dann noch bei der Bearbeitung mit EQ und Kompression im Drumbus die richtigen Entscheidungen triffst, ist eine Nachbearbeitung der Einzelpuren oft gar nicht mehr nötig.

 

Richtiges Drum Editing ist vor dem Abmischen das A und O

Was allerdings extrem wichtig ist, ist deine Drumspuren richtig vorzubereiten BEVOR du sie abmischst. Dazu gehört zum Beispiel, dass du die Schlagzeug Aufnahme auf Phasenprobleme checkst oder große Übersprechungen auf den einzelnen Drum Mikrofonen mit einem Noise Gate bearbeitest.

Hast du noch ein paar gute Tipps fürs Drum Mixing? Lass mir einen Kommentar da!

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